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Carl Friedrich Christian Petzold (1783 - 1866)

Superintendent, Förderer des Schulwesens

 

Christian Petzold war der erste Ehrenbürger der Stadt Muskau. Nach 50-jähriger Amtszeit erfolgte 1857 die Verleihung der Ehrenbürgerschaft.

Petzold wurde am 12. Juni 1783 in Königswalde/Neumark als Sohn eines Organisten und Lehrers geboren. Seine Vorfahren waren Bürger, Tuchmacher und Bürgermeister. Seinen ersten Unterricht in Deutsch, Rechnen, Latein und Musik erhielt er bei seinem Vater, während ihm Prediger Gericke die höhere Mathematik und das Zeichnen beibrachte. 1796 wurde er konfirmiert und besuchte drei Jahre die Stadtschule in Züllichau. Ab 1801 studierte Petzold an den Frankeschen Stiftungen in Halle, erhielt ein Stipendium, erteilte Privatunterricht und gab Unterricht an der deutschen Schule des Waisenhauses. Noch während seines Theologiestudiums wurde er als Oberlehrer berufen, kam also frühzeitig mit schulischen Fragen in Berührung.

Nachdem 1806 Major von Waldow eine Predigt von Petzold gehört hatte, erfolgte seine Berufung nach Landsberg/Warthe, wo er ab 10. März 1807 tätig war und 20 Jahre blieb.

In Muskau war Superintendent Vogel gestorben. Es erfolgte eine Anfrage an Petzold aus Muskau, ob er die Oberpfarrstelle annehmen wolle. Nach reiflicher Ãœberlegung sagte er zu und erhielt eine Probepredigt, und Pückler betraute ihn mit dem Amt des Oberpfarrers. Am 27. September 1826 zog er ins Pfarrhaus am Kirchplatz von Muskau, das spätere Forstamt, ein.

Superintendent Werbs, Priebus, führte ihn am 03. Dezember 1826 in sein Amt ein. Im August 1827 erfolgte die Berufung als Königlicher Superintendent für die 2. Rothenburger Diözese.

Dass Fürst Pückler ihn schätzte, beweist ein Brief vom 19. November 1828 aus London, in dem er ihn anredet: "Mein lieber, würdiger Freund". Der Fürst hatte als Geschenk für ihn ein Schreibpult aus Rosenholz ausgewählt und schrieb dazu: "... das Rosen ohne Dornen trägt, mein Wunsch für Ihren Aufenthalt in Muskau. Sie sollen Ihre Predigten daran schreiben."

Petzold leitete das Konsistorium und führte damit die Aufsicht über das Schulwesen in der Region. Das waren 1825 immerhin zehn Schulen, so Klitten, Kreba, Reichwalde, Kosel, Daubitz, Hainichen und natürlich Muskau sowie neun Parochien (Kirchspiele). Petzold übte die Aufsicht über die Schulen aus und sorgte dafür, dass in seiner Amtszeit neue Schulen gegründet wurden, nämlich Boxberg, Tzschelln, Groß Düben und Nieder Prauske. Die Schule in Muskau wurde um- und angebaut. Der Anbau hatte eine Länge von 63 Fuß. Ein neuer Lehrer und Rektor wurde in Muskau eingesetzt. Das Einkommen der Lehrer war damals sehr gering. Neben Ihrer Tätigkeit als Lehrer gingen sie einem Handwerk nach und arbeiteten meist als Schneider oder Tischler. Außerdem waren sie als Bauern tätig und bestellten ein Stück Land.

Die Schulkinder aus Kromlau, Klein Düben und Jämlitz besuchten die Schule in Gablenz. Dort war es Lehrer Johannes Günther, der als erster Lehrer in Gablenz ein Seminar besucht hatte.

Als Christian Petzold einmal feststellte, dass ein Lehrer in Gablenz mehr an seiner Hobelbank arbeitet als in der Schule, griff er korrigierend ein. Er schuf Fortbildungskurse für Lehrer, sorgte für die Verbesserung der Lehrmethoden und folgte dabei dem Vorbild Pestalozzi, der in pädagogischen Fragen der damaligen Zeit führend und wegweisend war.

Petzold leitete ein Erziehungsinstitut für Gymnasiasten und Seminaristen. Er erreichte es, dass schließlich nur noch seminaristisch ausgebildete Lehrer in der Region im Amt waren. Für seine hervorragende Arbeit und seine Erfolge zeichnete ihn König Friedrich Wilhelm IV. mit dem Roten Adler Orden IV. Klasse und später sogar mit dem Roten Adler Orden II. Klasse mit Eichenlaub aus. Damit fanden seine Verdienste eine würdige Anerkennung.

Christian Petzold war der Vater von vier Söhnen und acht Töchtern. Sein Sohn Eduard schrieb über seinen Vater kennzeichnend: "Er war ein großer, stattlicher Mann von würdevollem, imponierendem Aussehen. Für sich hatte er keine Bedürfnisse, stets eine offene Hand, duldsam gegen anders Denkende, ein Ehrenmann."

Ein besseres Zeugnis kann wohl kaum für einen Menschen ausgestellt werden.

Petzold war am 03. Dezember 1826 durch den Generalsuperintendenten Werbs in Priebus in das Amt des Oberpfarrers und späteren Superintendenten zu Muskau eingeführt worden.

Anlässlich seines 50. Amtjubiläums erhielt Christian Petzold am 28. April 1856 den Ehrenbürgerbrief der Stadt Muskau.

Nach 60 Jahren im Amt war zum 1. Oktober 1866 seine Emeritierung festgesetzt. Prinz Friedrich schenkte ihm ein bequemes Emeritenhaus unmittelbar am Eingang des Schlossparks gelegen. An dem Tage, an dem er es beziehen sollte, hatte er sich noch zu einer kurzen Mittagsruhe zurückgezogen. Da fanden ihn die Seinen am 19.09.1866 sanft und still entschlafen, als sie ihn wecken wollten.

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